Vier-Geschäftsfelder-Matrix
Auch: Vier-Geschäftsfelder-Matrix, Marktspiel-Modell, Kundentyp-Matrix
Eine 2×2-Matrix aus der Vertriebsforschung: Kundenwissen (klar vs. Problem) mal Bindungsbereitschaft (loyal vs. wechselwillig) bestimmt, welche Strategie und welcher Verkäufertyp zu welchem Kundensegment passt.
Kategorie: Discovery / Strategie / Vertriebsorganisation Autor: Pereta
Kern-Logik
Die Matrix beantwortet eine strategische Frage, die viele Organisationen nie explizit klären: Welcher Kunde bekommt welchen Verkäufer?
Die stillschweigende Annahme im Mittelstand lautet meist, ein guter Verkäufer könne alle Kundentypen bedienen. Das ist falsch. Die vier Quadranten verlangen vier strukturell verschiedene Typen — Innendienst, Farmer, Hunter, Consultant. Wer einen Hunter auf einen Beratungskunden setzt, zerstört die Beziehung. Wer einen Consultant auf einen Bestellkunden setzt, verbrennt Marge.
Die beiden Achsen sind sauber gewählt. Kundenwissen trennt jene, die bereits wissen, was sie wollen (einfache Transaktion), von jenen, die ein Problem haben, aber keine Lösung (Beratungsbedarf). Bindungsbereitschaft trennt loyale Bestandskunden von wechselwilligen. Das Ergebnis sind vier völlig verschiedene Verkaufssituationen — und vier verschiedene Werkzeugkästen.
Die 4 Felder
| Kunde weiß, was er will | Kunde hat ein Problem | |
|---|---|---|
| Loyal / gebunden | Einfacher Verkauf — Bestellannahme, Innendienst, Automatisierung reicht | Beziehungsverkauf — Farmer, langfristige Betreuung |
| Wechselwillig | Abschlussverkauf — Hunter, schnell und direkt, Preis und Tempo | Beratungsverkauf — Consultant, tiefes Verständnis |
Konsequenz für die Vertriebsorganisation
Jedes Feld verlangt einen anderen Typ und einen anderen Gesprächsstil:
- Einfach: kurze Prozesse, Preisliste, minimales Frage-Arsenal.
- Beziehung: Jahresgespräche, Zusatzverkauf; Ziel- und Motivfragen.
- Abschluss: schnelle Entscheidung, Alternativfragen, klare Konditionen.
- Beratung: tiefe Bedarfsanalyse über mehrere Termine; lex-spin-selling, Qualifizierungsraster, lex-skalierungsfrage.
Konkrete Anwendungen
- Handwerks-/Industrie-KMU (Pereta-ICP), Feldbestimmung: Der Regelfall ist der Beratungsverkauf — der Betrieb hat das Problem „unsere Website bringt keine Anfragen", kennt aber die Lösung nicht, und ist wechselwillig. Konsequenz: tiefe Bedarfsanalyse ist Pflicht, kein schneller Pitch. Fragetechnik und Temperaturmessung gehören in jedes Erstgespräch.
- Der zweite Fall: Bestandskunden mit Wartungsvertrag rutschen in den Beziehungsverkauf. Dort genügen ein jährlicher Termin und ein systematischer Zusatzverkauf — mehr Beratung wäre überinvestiert.
- Vor jedem Erstgespräch: In zehn Sekunden bestimmen, in welches Feld der Kunde fällt. Das entscheidet über Gesprächsdauer, Tiefe und Angebotsform.
Wann einsetzen?
- Beim Zuschnitt der Vertriebsorganisation: Welche Rolle bedient welches Feld?
- Vor jedem Erstgespräch als schnelle Diagnose.
- Nicht bei Einproduktgeschäften mit homogener Kundenbasis — dort ist die Matrix überdimensioniert.
Häufige Fehler
- Alle Kunden gleich behandeln. Der häufigste Fehler überhaupt. Ergebnis: Der Bestellkunde wird mit Beratung genervt, der Beratungskunde bekommt eine Preisliste.
- Den falschen Typ zuordnen. Ein Abschlussorientierter im Beratungsfeld zerstört Vertrauen; ein Berater im Abschlussfeld verbrennt Marge durch Überberatung.
- Die Matrix einmal machen und vergessen. Kunden wandern: Ein Beratungskunde wird nach dem ersten Projekt zum Beziehungskunden. Die Betreuung muss mitwandern.
Verwandte Einträge
- lex-entscheider-matrix — die zweite 2×2 für den Zugang zum Entscheiderkreis
- lex-spitz-tief-breit — welches Feld man bedient, bestimmt die Positionierung
- lex-setter-closer — die Rollentrennung passend zu den Feldern
- lex-meddic — die Qualifizierung zeigt, in welchem Feld der Kunde sitzt
- lex-bedarfsermittlung-3-stufen — Pflicht im Beratungsfeld, überflüssig im Bestellfeld
- lex-hunter-vs-farmer — die Typologie hinter zwei der vier Felder