Setter-Closer-Prinzip
Auch: Setter-Closer, Setter-Closer-Prinzip, Setter-Closer-Modell, Vorqualifizierung, Arbeitsteilung im Vertrieb
Arbeitsteilung im Vertrieb: Der Setter qualifiziert, der Closer schließt ab — wie im Fußball, wo der Mittelfeldspieler den Ball holt und dem Stürmer vorlegt, damit dieser frisch vor dem Tor ankommt.
Kategorie: Akquise & Vertriebsorganisation Autor: Pereta
Kern-Logik
Richtig gute Abschließer sind selten. Wer einen hat, will ihn nicht mit unqualifizierten Kontakten verheizen — denn drei Stunden mit einem Interessenten ohne Kaufabsicht sind drei Stunden, die nicht am echten Deal gearbeitet wurden. Dafür braucht es einen vorgeschalteten Filter: den Setter. Das Bild dahinter ist das Fußballspiel — der Stürmer, der sich den Ball in der eigenen Hälfte holt, kommt müde im Strafraum an. Der Closer muss frisch sein, wenn das Abschlussgespräch kommt; die Vorarbeit macht jemand anderes.
Der Setter qualifiziert:
- Quereinsteiger, braucht kein tiefes Fachwissen — sprachliche Gewandtheit genügt.
- Skript-basiert, arbeitet einen Leitfaden mit drei bis zwanzig Qualifizierungsfragen ab.
- Einarbeitung rund zwei Tage, danach nahe an der vollen Leistung.
- Festes Gehalt, keine Variable. Das ist die entscheidende Regel: Variable für gelegte Termine → der Setter legt Termine, um Geld zu verdienen, die Qualität sinkt. Variable für abgeschlossene Termine → er winkt zu viele durch, die der Closer nicht schließen kann. Nur das Fixum trägt.
- Verhältnis: zwei bis drei Setter je Closer.
Der Closer schließt ab:
- Erfahrener Verkäufer — Einwandbehandlung, Preisverhandlung, Abschluss.
- Arbeitet mit vorqualifizierten Kontakten — kennt vor dem Gespräch bereits Budget, Bedarf, Entscheidungsstruktur.
- Video-Call bevorzugt, weil die Abschlussquote sichtbar höher ist als am reinen Telefon.
- Variable als Provision auf Abschluss — Input ist der qualifizierte Kontakt, Output der Abschluss.
Der Hebel in einer Zahl: Bei strikter Vorqualifizierung werden im finalen Abschlussgespräch Quoten von 60 bis 80 Prozent erreicht. Das ist ein Benchmark unter klaren Ausschlusskriterien, kein allgemeines Versprechen — er gilt genau dann, wenn der Setter sauber filtert und dokumentiert, wer nicht durchgereicht wird.
Der Workflow
- Kontakt kommt rein (Anfrage, Event, Download).
- Setter meldet sich: „Danke für Ihr Interesse. Um zu schauen, ob das für uns beide passt — darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen?"
- Setter qualifiziert: Budget? Bedarf? Zeitrahmen? Entscheidungsbefugnis?
- Nicht qualifiziert → Alternativlösung oder Nurture-Liste.
- Qualifiziert → Termin mit dem Closer (oder direkte Verbindung, wenn der Kalender passt).
- Closer übernimmt den vorqualifizierten Kontakt und schließt ab.
Die Übergabe ist kritisch: Der Setter briefet den Closer schriftlich und kündigt dem Kunden den Wechsel an. Ohne sauberes Briefing beginnt der Closer bei null.
Konkrete Anwendungen
- KMU mit steigendem Lead-Volumen (Pereta-ICP): Ab etwa fünf Kontakten pro Woche übernimmt eine Assistenz das Setting mit einem Fünf-Fragen-Skript; der erfahrene Verkäufer schließt nur noch vorgefilterte Gespräche.
- Pereta-Vertrieb: Setter und Closer in Personalunion funktioniert bei zwei bis drei Anfragen pro Woche; ab fünf pro Woche wird das Setting ausgelagert, ab zehn fest besetzt — der Setter braucht kein Fachwissen, nur das Skript.
- Hochpreis-Angebote: Je teurer die Leistung, desto teurer die Zeit des Abschließers — genau hier zahlt sich der vorgeschaltete Filter aus.
Wann einsetzen?
- Ab etwa fünf Kontakten pro Woche — darunter bleibt die Alles-in-einer-Person-Lösung wirtschaftlicher.
- Bei erklärungsbedürftigen B2B-Leistungen — je länger der Verkaufszyklus, desto größer der Hebel der Vorqualifizierung.
- Bei Hochpreis-Angeboten — der Abschließer ist zu teuer für unqualifizierte Gespräche.
Häufige Fehler
- Variable für den Setter einführen. Der klassische Management-Instinkt, der das System zerstört — Setter gehört aufs Fixum.
- Der Closer qualifiziert selbst nach. Dann war die Setter-Arbeit umsonst und der Kunde fühlt sich verhört — der Closer vertraut der Vorarbeit.
- Zu früh skalieren. Bei zwei Kontakten pro Woche erzeugt ein Setter nur Leerlauf; das Modell lebt vom Volumen.
Verwandte Einträge
- lex-telefonleitfaden — das Skript, nach dem der Setter arbeitet
- lex-meddic — erweiterte B2B-Qualifizierung für den Setter
- lex-sales-playbook — Setter-Closer als Baustein des dokumentierten Vertriebsprozesses