Hunter vs. Farmer

Auch: Hunter vs. Farmer, Jäger vs. Bauer, Hunter-Farmer-Dichotomie, Kundenstand-Nullstellung

Die Vertriebstypologie für Führungskräfte: Jäger holen Neugeschäft, Bauern pflegen Bestand. Ein Bauer wird nie zum Jäger — und ein Jäger wird ohne Gegenmaßnahme automatisch zum Bauern. Genau dagegen existiert die Jahres-Nullstellung.

Kategorie: Akquise / Vertriebsführung Autor: Pereta

Kern-Logik

Zwei Verkäufertypen, beide wertvoll, keiner austauschbar:

Die entscheidende Asymmetrie: Aus einem Jäger lässt sich ein Bauer machen. Aus einem Bauern nie ein Jäger. Und noch wichtiger — die Umwandlung vom Jäger zum Bauern passiert von allein, wenn man nichts unternimmt. Ein Jäger mit wachsendem Bestand wird bequem, lebt von den Provisionen der Altkunden und akquiriert irgendwann gar nicht mehr. Das ist keine Faulheit, sondern schlichte ökonomische Logik: Bestandspflege ist bequemer und zahlt kurzfristig genauso.

Die Kunden-Nullstellung

Der radikale Gegenmechanismus, wie ihn Unternehmen mit reinem Jäger-Außendienst praktizieren:

  1. 31. Dezember: Der Kundenstand aller Jäger wird auf null gesetzt.
  2. Alle kaufenden Bestandskunden wechseln in den Innendienst — also in die Bauern-Rolle.
  3. 1. Januar: Alle Jäger starten ohne einen einzigen Kunden.
  4. Zwölf Monate reine Jagd, mit überproportionaler Provision auf Neugeschäft.
  5. 31. Dezember: zurück zu Schritt 1.

Die Jäger empfinden das nicht als Strafe — sie wollen jagen, nicht Kaffee trinken und alte Geschichten anhören. Was einem Bauern das Herz brechen würde, ist für einen Jäger eine Befreiung vom Verwaltungsballast. Die Führungsleistung besteht darin, das System um den Typ zu bauen, nicht den Typ ans System anzupassen.

Der Systemfehler ohne Nullstellung

Die typische Klage lautet: „Meine Verkäufer akquirieren keine Neukunden mehr."

Die Diagnose ist fast immer dieselbe: Die Führung überlässt jedem Verkäufer dauerhaft seine Kunden. Die Folge: Jäger mutieren zu Bauern, das Neugeschäft bricht ein. Das ist kein Verkäuferproblem, sondern ein Führungsfehler im System. Wer bei den Menschen ansetzt — Motivationstraining, Zielvereinbarungen —, löst es nicht. Wer das System ändert, schon.

Zwei Fragen entscheiden:

  1. Brauche ich Jäger oder Bauern?
  2. Wenn Jäger — nehme ich ihnen regelmäßig den Bestand ab?

Lautet die zweite Antwort nein, versiegt das Neugeschäft mit mathematischer Sicherheit.

Konkrete Anwendungen

Für Solo-Selbstständige ist die Typologie zunächst keine Organisationsfrage: Man ist beides in einer Person. Sie ist aber eine Zeitfrage — wenn der Kalender voll ist mit Bestandsarbeit, findet keine Akquise statt, und der Effekt ist derselbe wie im Team. Der persönliche Ersatz für die Nullstellung sind feste Akquiseblöcke, die nicht verhandelbar sind.

Bei der ersten Einstellung wird die Frage konkret: Ein Mitarbeiter, der am liebsten bestehende Projekte betreut, wird nie Neukunden gewinnen — egal welche Zielvorgabe im Vertrag steht. Wer einen Jäger einstellt, muss die Bestandsbetreuung organisatorisch woanders verankern, sonst frisst sie die Jagd innerhalb eines Jahres auf.

Im Handwerks-KMU ist dasselbe Muster der Grund, warum viele Betriebe seit Jahren dieselben Kunden haben: Der Chef war der Jäger, ist inzwischen mit Bestand und Baustellen ausgelastet — und niemand hat die Rolle übernommen.

Wann einsetzen?

Häufige Fehler

  1. Bauern zu Jägern machen wollen. Funktioniert nicht. Wer einen Bauern zur Kaltakquise zwingt, bekommt einen unglücklichen Bauern.
  2. Den Bestand beim Jäger lassen. Der Klassiker. Nach drei Jahren betreut er 40 Kunden und gewinnt keinen einzigen neuen mehr.
  3. Nullstellung ohne Provisionsanpassung. Wer den Bestand abzieht, ohne die Neukundenprovision überproportional zu erhöhen, baut eine Einkommensfalle statt eines Anreizes — und verliert seine besten Jäger.

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