Wachstums-Matrix (4 Felder)
Auch: Produkt-Markt-Matrix, Wachstumsmatrix
Einordnung: Dieses Kapitel beschreibt ein quellengebundenes Modell oder eine Praxisheuristik. Es verspricht kein bestimmtes Ergebnis; die folgenden Aussagen geben das Modell wieder.
Kern-Logik
Das Modell ordnet Wachstumsrichtungen danach, ob Angebot und bedienter Markt für das Unternehmen bereits bekannt oder neu sind. Als Produkt kann auch eine Dienstleistung gelten. Ein Markt wird über Kundengruppe, Bedarf und gegebenenfalls Region abgegrenzt. Zusätzliche Kunden derselben Zielgruppe bedeuten deshalb nicht automatisch einen neuen Markt.
Im Quellenmodell ordnet die Tabelle folgende Elemente:
| Bestehender Markt | Neuer Markt | |
|---|---|---|
| Bestehendes Produkt | Marktdurchdringung (mehr verkaufen an die bestehende Zielgruppe) | Marktentwicklung (gleiches Produkt in neuen Markt) |
| Neues Produkt | Produktentwicklung (neues Produkt für bestehende Kunden) | Diversifikation (neues Produkt für neuen Markt) |
Im Quellenmodell wird beschrieben: Das Risiko steigt diagonal: Marktdurchdringung ist am sichersten (bekannte Kunden, bekanntes Produkt), Diversifikation am riskantesten. Die Regel: Erst die sicheren Felder ausschöpfen, bevor risikoreichere angegriffen werden.
Die Risikoreihenfolge ist eine Modellannahme über zunehmenden Lern- und Anpassungsbedarf, keine feste Rangliste realer Vorhaben. Auch ein bekannter Markt kann schrumpfen oder unwirtschaftlich werden. Ein neues Feld kann durch vorhandene Kompetenzen und belegte Nachfrage tragfähiger sein. Das Ausschöpfen bekannter Felder bedeutet daher, deren Potenzial zuerst zu prüfen, nicht unbegrenzt an ihnen festzuhalten.
Die vier Strategien mit Werkzeugen
Im Quellenmodell ordnet die Tabelle folgende Elemente:
| Strategie | Werkzeuge | Risiko |
|---|---|---|
| Marktdurchdringung | Mehr Marketing, Vertrieb intensivieren, Frequenz steigern | Niedrig |
| Marktentwicklung | Neue Regionen, Branchen, Segmente, Expansion | Mittel |
| Produktentwicklung | Neue Features, ergänzende Produkte, Upsells, Cross-Sells | Mittel |
| Diversifikation | Neues Geschäftsfeld, Akquisition, radikal neue Angebote | Hoch |
Werkzeuge bestimmen das Feld nicht allein: Ein Zusatzverkauf eines bestehenden Angebots bleibt im bekannten Markt Marktdurchdringung. Erst eine tatsächlich neue Leistung macht daraus Produktentwicklung. Eine Übernahme ist nur dann Diversifikation, wenn dadurch sowohl Angebot als auch Markt neu werden.
Beispiel
Eine Webagentur betreut bislang Handwerksbetriebe mit einem standardisierten Website-Paket. Weitere passende Handwerkskunden gehören zur Marktdurchdringung. Dasselbe Paket für eine bisher unbediente Branche ist Marktentwicklung. Eine neu entwickelte Inhaltsbetreuung für die vorhandene Zielgruppe ist Produktentwicklung. Eine neuartige Personalvermittlungsleistung für eine andere Branche wäre Diversifikation.
Abgrenzung
Die Portfolio-Matrix bewertet Geschäftseinheiten anhand von Marktwachstum und Marktanteil. Die Vier-Geschäftsfelder-Matrix unterscheidet Verkaufssituationen. Die Wachstums-Matrix ordnet dagegen die Richtung einer möglichen Expansion; sie bewertet weder einzelne Kunden noch die Rentabilität eines Vorhabens.
Wann einsetzen?
Im Quellenmodell gelten folgende Punkte:
- In der strategischen Jahresplanung — die Wachstumsrichtung bewusst wählen statt zu treiben.
- Im Strategie-Gespräch mit Kunden als Struktur-Raster.
Nicht als alleinige Investitionsentscheidung einsetzen. Vor einer Umsetzung werden Nachfragebelege, benötigte Fähigkeiten, verfügbarer Aufwand und Abbruchkriterien geprüft. Fehlt zunächst eine tragfähige Leistung, ersetzt die Wahl eines Feldes deren Klärung nicht.
Häufige Fehler
Im Quellenmodell gelten folgende Punkte:
- Mit Diversifikation beginnen. Den zusätzlichen Lernbedarf ausdrücklich prüfen und bekannte Fähigkeiten sowie reale Nachfrage als Ausgangspunkt wählen.
- Zwei Felder gleichzeitig neu angehen. Vorhaben getrennt bewerten, Verantwortlichkeiten und Ressourcen klären und überschaubare Erprobungen priorisieren.
- Neuheit aus Anbietersicht mit Kundennutzen verwechseln. Für jedes Vorhaben das konkrete Kundenproblem und vorhandene Alternativen festhalten.
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