Portfolio-Matrix

Auch: BCG-Matrix, Boston-Matrix, Wachstums-Marktanteils-Matrix, Portfolio-Matrix

Einordnung: Dieses Kapitel beschreibt ein quellengebundenes Modell oder eine Praxisheuristik. Es verspricht kein bestimmtes Ergebnis; die folgenden Aussagen geben das Modell wieder.

Kern-Logik

Die Matrix ordnet Geschäftseinheiten oder Produktgruppen danach, wie stark ihr Markt wächst und welche Wettbewerbsposition sie darin haben. Sie unterstützt die Diskussion über Ressourcenzuteilung. Verglichen werden abgegrenzte Zielmärkte mit einheitlicher Datenbasis und demselben Betrachtungszeitraum.

Der Marktanteil ist relativ gemeint: eigener Marktanteil geteilt durch den Marktanteil des größten Wettbewerbers. Wachstum bezeichnet die Entwicklung des Zielmarktes, nicht den eigenen Umsatzanstieg. Die Grenzen zwischen hoch und niedrig werden nachvollziehbar festgelegt; unsichere Daten bleiben als solche sichtbar.

Im Quellenmodell ordnet die Tabelle folgende Elemente:

Hoher Marktanteil Niedriger Marktanteil
Hohes Wachstum Stars Question Marks
Niedriges Wachstum Cash Cows Dogs

Im Quellenmodell ordnet die Tabelle folgende Elemente:

Kategorie Charakteristik Strategie
Star hohes Wachstum, hoher Anteil investieren und halten
Cash Cow niedriges Wachstum, hoher Anteil ernten, Cashflow extrahieren
Question Mark hohes Wachstum, niedriger Anteil investieren oder abstoßen — keine Mitte
Dog niedriges Wachstum, niedriger Anteil abstoßen oder minimal weiterlaufen lassen

Im Quellenmodell wird beschrieben: Die ökonomische Logik: Marktanteil korreliert (in Branchen mit Skaleneffekten) mit Margen, Wachstum definiert den Investitionsbedarf. Cash Cows finanzieren Stars und aussichtsreiche Question Marks. Dogs binden Kapital, das besser anderswo eingesetzt wird. Die Matrix ist vor allem in reifen, skaleneffekt-getriebenen Industrien sinnvoll, weniger in Nischen- oder Service-Märkten.

Die Kategorien sind Suchrichtungen, keine automatischen Investitionsbeschlüsse. Ein hoher Anteil beweist weder Profitabilität noch freien Zahlungsmittelüberschuss. Auch ein kleines Geschäftsfeld kann wegen positiver Erträge, Kundenbindung oder Verbundwirkungen erhaltenswert sein. Entscheidend ist, ob dieser Nutzen seinen Ressourcenbedarf rechtfertigt.

Anwendung im Alltag

Im Quellenmodell gelten folgende Punkte:

Beispiel

Ein hypothetischer regionaler Hersteller prüft etablierte Ersatzteile und eine neue Produktgruppe. Die Ersatzteile bedienen einen langsam wachsenden Markt, benötigen aber weiterhin Betreuung und Fertigungsmittel. Ob sie Überschüsse für die neue Produktgruppe bereitstellen, zeigt die tatsächliche Zahlungsplanung. Eine kleine Produktgruppe bleibt trotz schwacher Marktposition bestehen, wenn ihr belegter Beitrag zur Kundenbindung den gebundenen Aufwand rechtfertigt.

Wann einsetzen?

Im Quellenmodell gelten folgende Punkte:

Häufige Fehler

Im Quellenmodell gelten folgende Punkte:

Abgrenzung

Die Vier-Geschäftsfelder-Matrix ordnet Verkaufssituationen und Vertriebsrollen. Die Portfolio-Matrix ordnet Wettbewerbsposition und Marktwachstum. Kundenlebenszeitwert und Branchenstruktur liefern ergänzende Informationen, ersetzen aber keine der Achsen.

Verwandte Einträge

Im Quellenmodell gelten folgende Punkte:

external-klassiker strategie portfolio analyse