Sechs Verhandlungs-Vorbereitungsfragen (TZLAIO)

Auch: Sechs Verhandlungs-Vorbereitungsfragen, TZLAIO-Fragen

Die Pflicht-Checkliste vor jedem Preisverhandlungs-Gespräch — sechs Fragen zu Tricks, Zielen, Limit, Alternativen, Interessen, Optionen.

Kategorie: Preispsychologie & Pricing Autor: Pereta

Kern-Logik

Der Ausgangspunkt ist eine nüchterne Asymmetrie: Einkäufer sind Profi-Verhandler. Sie kennen die Marktpreise, haben oft eine bessere Vorstellung von der Kostenkalkulation des Lieferanten als dieser selbst, lesen einschlägige Fachmedien und trainieren Drucktaktiken systematisch. Der typische Verkäufer bereitet sich dagegen kaum strukturiert vor. Nur eine feste Vorbereitungsroutine gleicht dieses Ungleichgewicht aus.

Dahinter steht eine unbequeme Wahrheit über die Rolle des Einkäufers: Ein Einkäufer, der den Auftrag erteilt, bevor ihm glaubwürdig versichert wurde, dass am Preis nichts mehr zu machen ist, macht einen schlechten Job. Er wird so lange drücken, bis er das Signal bekommt. Wer nicht weiß, wo sein eigenes Limit liegt, gibt es preis.

Das TZLAIO-Raster — Tricks, Ziele, Limit, Alternativen, Interessen, Optionen — zwingt genau dort zur Klarheit, wo der Angriff kommen wird.

Zur Null-Profit-Grenze: Viele Verkäufer gehen aus Furcht vor geplatzten Deals gefährlich nah an diese Grenze. Die Rechnung geht nicht auf. Geplatzte Deals mit voller Marge werden durch zerschlagene Rabatt-Abschlüsse nicht kompensiert — langfristig holen Abschlüsse mit höherer Marge das verlorene Geschäft locker wieder herein.

Die 6 Fragen

  1. Tricks — Welche Verhandlungstricks erwarte ich? Wöchentlich notieren, welche Manöver in der vergangenen Woche kamen, und bessere Antworten formulieren. So entsteht eine eigene Sammlung.
  2. Ziele — Habe ich messbare Ziele? Geht es um den hohen Preis oder nur um den Abschluss? Zielbild vor dem Gespräch festlegen.
  3. Limit — Kenne ich mein konkretes Euro-Limit, deutlich über der Null-Profit-Grenze? Es muss nach außen glaubwürdig vertretbar sein.
  4. Alternativen — Was ist mein Plan B, falls das Geschäft platzt? Andere Kunden in der Pipeline, ein voller Kalender — irgendetwas, das Verzweiflung verhindert (siehe lex-batna).
  5. Interessen — Welche nicht offensichtlichen Interessen beherrschen das Gespräch? Persönliche Motive auf der Gegenseite, aber auch versteckte eigene (Referenzwert, Auslastung, Nähe zum Standort).
  6. Optionen — Habe ich Zusatz-Optionen als Nebenkriegsschauplätze für Zugeständnisse — oder lieber eine klare, unzerlegbare Struktur? Die Präferenz liegt bei der klaren Struktur.

Konkrete Anwendungen

Wann einsetzen?

Häufige Fehler

  1. Limit im Gespräch erfinden. Wer es nicht vorher fixiert hat, legt es unter Druck immer zu niedrig fest. Die Vorbereitung ist nicht optional.
  2. Tricks-Frage ignorieren. Wer die Standard-Taktiken der Gegenseite nicht kennt, fällt in jede Falle. Die eigene Sammlung macht aus jedem verlorenen Gespräch eine künftige Waffe.
  3. Optionen und Struktur vermischen. Wer 15 Zusatz-Optionen im Angebot hat, lädt zur Zerlegung ein. Besser: wenige klare Varianten.
  4. Ohne Alternative verhandeln. Wer den Auftrag zwingend braucht, verhandelt nicht — er bittet.

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