Hochpreis-Methode (Obergrenze)

Auch: Hochpreis-Methode, Hochpreis-Ankerung, Obergrenze statt Preisspanne

Die Antwort auf zu frühe Preisfragen: nur die Obergrenze nennen und im selben Atemzug signalisieren, dass man darunter liegen wird. Das Kontrastprinzip, gezielt eingesetzt.

Kategorie: Preispsychologie & Pricing Autor: Pereta

Kern-Logik

Die Situation kennt jeder: Der Kunde fragt früh nach dem Preis, ein fundiertes Angebot ist noch gar nicht möglich. Drei Reaktionen stehen zur Wahl — zwei davon sind Fallen.

Die Formulierung dazu: „Falls Sie jetzt befürchten, dass es Sie 6.000 oder 7.000 € kosten könnte — da kann ich Sie beruhigen, da liegen wir mit Sicherheit drunter."

Dieser Satz leistet zwei Dinge gleichzeitig: Er setzt den hohen Wert als Anker — jeder spätere Preis wirkt dagegen günstig — und er prüft die Budget-Dimension. Schießt schon der Anker weit über den Horizont des Kunden hinaus, kann man sich das Angebot sparen. Das ist keine Nebenwirkung, sondern der halbe Nutzen.

Dahinter steht das Kontrastprinzip: Nichts wird absolut wahrgenommen, alles im Vergleich. Ob 10 € teuer sind oder 100 €, entscheidet der Kontext. Wer den Kontext setzt, steuert die Wahrnehmung. Ein Angebot über 4.800 € wirkt nach einem 7.000er-Anker wie ein guter Schnitt — und vor einem 3.000er-Anker wie eine Frechheit.

Zwei Erweiterungen

Wenn die Obergrenze allein nicht reicht:

  1. Fragmentierung — die Investition durch eine sinnvolle Bezugsgröße teilen: pro Mitarbeiter und Monat, pro Vorgang, pro Tag der Nutzungsdauer. Dieselbe Summe, andere Größenordnung im Kopf.
  2. Verschiebung auf den Ertrag — „Für einen Preis ist es zu früh. Aus vergleichbaren Projekten weiß ich: Das rechnet sich typischerweise innerhalb von X Monaten." Das Gespräch wechselt vom Kosten-Rahmen in den Ertrags-Rahmen.

Ergänzend hilft der bedingte Abschluss vor der Angebotsübergabe: „Angenommen, das Angebot trifft genau Ihre Anforderungen und die Investition liegt bei X — kommen wir dann ins Geschäft?" Der Zweck ist ein „Ja, wenn …" vorab, damit keine aussichtslosen Angebote geschrieben werden.

Konkrete Anwendungen

Typische Telefonsituation im KMU-Geschäft: „Was kostet denn sowas ungefähr?" — noch bevor irgendetwas über den Betrieb bekannt ist.

Die Antwort: „Falls Sie befürchten, dass ein Komplettprojekt 12.000 € kostet — da liegen wir in den meisten Fällen darunter. Für eine belastbare Zahl brauche ich allerdings 20 Minuten, um Ihre Situation zu verstehen."

Anker gesetzt, Qualifizierung geöffnet, kein Preis verweigert. Reagiert der Interessent mit „12.000? Wir hatten an 1.500 gedacht", ist die Sache in 30 Sekunden geklärt statt in drei Terminen.

Im Handwerk funktioniert dieselbe Mechanik bei Anlagen und Sanierungen — dort ist die Spanne oft noch größer und die Enttäuschung entsprechend teurer, wenn zuerst die Untergrenze im Raum stand.

Wann einsetzen?

Häufige Fehler

  1. Zu niedrige Obergrenze wählen. Wer mit 4.000 € ankert und bei 3.800 € landet, hat den Effekt verschenkt. Der Anker muss deutlich über dem späteren Preis liegen — aber plausibel bleiben.
  2. Den Nebensatz weglassen. Eine nackte Obergrenze ohne Beruhigung löst den Fluchtreflex aus. „Da liegen wir mit Sicherheit drunter" ist kein Schmuck, sondern tragendes Element.
  3. Im Konjunktiv antworten. „Da würden wir so bei etwa …" sind Weichmacher, die den Anker sofort wieder auflösen.

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