Ankereffekt (Preisanker)

Auch: Ankereffekt, Anchoring, Preisanker, Zuerst schlagen hart schlagen

Der erste genannte Preis dient als Referenzpunkt, an dem sich alle weiteren Urteile ausrichten — einer der am besten belegten kognitiven Effekte und zugleich der am meisten unterschätzte Hebel in Preisgesprächen.

Kategorie: Preispsychologie & Pricing Autor: Pereta

Kern-Logik

Der Ankereffekt stammt aus der Entscheidungsforschung und gehört zu den am besten belegten kognitiven Verzerrungen. Ein bekanntes Experiment zeigt ihn: Versuchspersonen, die zufällig eine niedrige Zahl sahen, schätzten einen Sachwert deutlich niedriger ein als jene mit einer hohen Zufallszahl — eine offensichtlich irrelevante Zahl verschob eine Sachschätzung um Faktor zwei. Der Effekt wirkt selbst bei Experten: In einer Studie schätzten Kfz-Fachleute denselben Gebrauchtwagen um über 1.000 Einheiten unterschiedlich, je nach vorgegebenem Anker.

Dass der Anker nicht nur Schätzungen, sondern echten Umsatz verschiebt, zeigt ein Verkaufs-Experiment am Point of Sale: Ein Anbieter drehte nur die Präsentationsreihenfolge um und startete statt mit dem günstigen Einstiegsmodell mit einer teuren Variante. Allein das verdoppelte den Durchschnittsumsatz pro Käufer — ohne ein einziges Produkt zu ändern, nur durch den höher gesetzten ersten Referenzpunkt.

Die Übersetzung in die Verkaufspraxis lautet: Zuerst schlagen, hart schlagen. Der Mechanismus heißt selektive Verfügbarkeit — das Gehirn bekommt durch den Preisanker einen Suchauftrag und fokussiert auf Fakten, die den Anker stützen. Nach einem hohen Preis sucht es aktiv nach Qualität, Langlebigkeit, Exklusivität; nach einem niedrigen Preis nach relativierenden Fakten. Drei Regeln folgen daraus: den ersten Preis ins Gespräch bringen, mit hoher Forderung einsteigen (nicht mit der Wunsch-Einigung) und bei einem feindlichen Anker sofort mit einem kraftvollen Gegenanker kontern.

Konkrete Anwendungen

Warum es sich lohnt (die Hebelzahl)

Der Anker wirkt direkt auf die Marge, und dort ist der Hebel brutal. Bei einer Umsatzrendite von 2 % führt eine um nur 1 % höhere Preisdurchsetzung (oder ein verweigerter 1-%-Rabatt) zu rund 50 % mehr Gewinn. Der Preisanker ist damit kein rhetorisches Spielzeug, sondern der günstigste Gewinnhebel überhaupt — er kostet nichts außer Haltung.

Als Gegenprobe dient die Abschlussquote: Eine Quote nahe 100 % ist kein gutes Zeichen, sondern beweist, dass zu billig angeboten wird. Ein gesundes Indiz für mutige Ankersetzung ist, wenn rund 20 % der Angebote rein am Preis verloren gehen — wer nie am Preis verliert, ankert zu tief.

Wann einsetzen?

Häufige Fehler

  1. Auf einen Kunden-Gegenanker einfach nachgeben. „Die Konkurrenz liegt 12 % darunter" — nicht nach deren Preisen fragen, das würde zum neuen Anker. Den eigenen starken Anker halten.
  2. Zu schwach ankern. „So um die 5.000 € wären denkbar" ist kein Anker, sondern ein Weichmacher. Der Anker muss klar und ungebremst sein.
  3. Sich selbst ankern lassen ohne Abwehr. Auch Profis sind nicht immun. Wer merkt, dass der Kunde tief geankert hat, muss bewusst gegensteuern statt innerlich zuzustimmen.

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