Drip Campaign
Auch: Drip Campaign, Drip-Kampagne, Autoresponder-Serie, Nurturing-Sequenz
Eine getaktete Abfolge automatisiert versendeter E-Mails, die neue Kontakte in festen Zeitabständen erhalten — drip (tröpfeln) steht für das kontrollierte Dosieren von Information.
Kategorie: E-Mail-Marketing & Nurturing (Klassiker) Autor: Pereta
Kern-Logik
Das Prinzip stammt aus dem Direktmarketing der 1970er und wurde mit den ersten Autoresponder-Tools Ende der 1990er digital zum Standard. Eine Drip Campaign ist das einfachste Format der Marketing-Automation: eine feste Sequenz, die jeder neue Kontakt linear durchläuft. Anders als beim Newsletter (alle bekommen gleichzeitig dasselbe) läuft die Sequenz relativ zum Eintrittsdatum — Tag 1, Tag 3, Tag 7, Tag 14, Tag 21.
Welcome-Drip (5–7 Mails):
- Willkommen + was den Empfänger erwartet (sofort)
- Kern-Prinzip / Ursprungsgeschichte (Tag 2)
- Referenz / Fallbeispiel (Tag 4)
- Einwandbehandlung (Tag 7)
- Weicher CTA — kostenloses Erstgespräch (Tag 10)
- Klarer CTA — Produkt/Leistung (Tag 14)
- Last Call / Verknappung (Tag 16)
Onboarding-Drip (nach Kauf): Bestätigung + Erwartungsmanagement → Anleitung Teil 1 → Teil 2 → Check-in „Wie läuft es?" → Bewertung einholen → Cross-Sell-Hinweis.
Re-Engagement-Drip (nach ~90 Tagen Inaktivität): „Vermissen Sie uns?" mit dem besten Content → „Was passt nicht?" als Umfrage → letzte Mail: „Sollen wir Sie austragen?"
Ökonomisch ist Drip die billigste Form von Kundenentwicklung: einmal gebaut, läuft die Sequenz automatisch — jeder neue Kontakt wird gleichwertig begrüßt, ohne Verwaltungsaufwand.
Drip vs. Broadcast vs. Trigger-Automation
| Typ | Timing | Personalisierung | Einsatz |
|---|---|---|---|
| Broadcast-Newsletter | feste Termine für alle | gering | laufende Community |
| Drip Campaign | relativ zum Eintritt | mittel | neue Kontakte, Onboarding |
| Trigger-Automation | ereignisbasiert | hoch | Kaufabbruch, Scoring, Verzweigungen |
Gut gebaute Funnel kombinieren alle drei: Neue Kontakte starten im Drip, springen bei Ereignissen in Trigger-Flows und bekommen parallel den regulären Newsletter.
Konkrete Anwendungen
- Handwerks-/Industrie-KMU (Pereta-ICP), eigene Sequenz nach Newsletter-Anmeldung: 5 Mails in 14 Tagen — (1) Willkommen + „3 Website-Fehler der meisten Betriebe", (2) Fallbeispiel eines Handwerkskunden, (3) „So läuft ein Projekt mit uns ab", (4) Einwand-Mail „Zu teuer?" mit Vergleichsrechnung, (5) weicher CTA zum 30-Minuten-Strategiegespräch. Aufwand einmalig etwa acht Stunden Text plus zwei Stunden Einrichtung — danach läuft es.
- Als Zusatzmodul für Kunden nach dem Website-Launch: Drip nach Kontaktformular-Eingang und nach Newsletter-Anmeldung.
Wann einsetzen?
- Sobald überhaupt E-Mail-Adressen gesammelt werden — ohne Drip verpufft jeder Lead.
- Nach jedem Kauf als Onboarding.
- Bei inaktiven Kontakten zur Reaktivierung oder sauberen Listenpflege.
Häufige Fehler
- Liste sammeln ohne Sequenz. Der Kontakt kommt rein und hört nie wieder etwas — der teuerste Fehler im E-Mail-Marketing.
- Nur verkaufen. Ein Drip aus sechs Angeboten produziert Abmeldungen; Inhalt muss überwiegen.
- Nie aufräumen. Ohne Re-Engagement und Austragen verrottet die Liste und drückt die Zustellbarkeit.
Verwandte Einträge
- lex-marketing-automation — die technische Grundlage
- lex-squeeze-page — der typische Opt-in-Start
- lex-tripwire — oft das Ziel am Ende des Drips
- lex-lead-scoring — Scoring innerhalb der Drip-Logik
- lex-customer-journey — der Drip als Journey-Stütze