Zivilisten vs. Veteranen
Auch: Zivilisten vs Veteranen, Zivilist-Veteran-Modell, Zielgruppen-Perspektive
Du bist Veteran deiner Nische — tausend Schlachten, alle Begriffe, alle Abläufe im Kopf. Dein Kunde ist Zivilist. Jeder Funnel muss für den Zivilisten gebaut sein, nicht für den Veteranen.
Kategorie: Content Autor: Pereta
Kern-Logik
Die vielleicht wichtigste Denkfigur der Conversion-Optimierung, auf zwei Rollen gebracht:
- Veteran — Experte in der Nische. Kennt Fachbegriffe und Abläufe, hält alles für selbstverständlich. Kann ohne bewusste Anstrengung keinen Funnel für Zivilisten bauen, weil ihm die Perspektive fehlt — er weiß zu viel, um nicht zu wissen.
- Zivilist — keine Vorerfahrung. Kennt weder die Fachsprache noch die Konventionen des Online-Marketings. War noch nie in einem Funnel, weiß nicht, was ein Webinar ist, liest „8 p.m." nicht automatisch als 20 Uhr.
Der Kernsatz: Du bist Veteran in deinem Thema — und sogar Veteran im Marketing. Deine Kunden sind größtenteils Zivilisten.
Die Rolle hat zwei Dimensionen, die sauber zu trennen sind:
- Nischen-Zivilist — unvertraut mit dem Fachthema.
- Marketing-Zivilist — unvertraut mit den Abläufen: Bestätigungsmails, Terminbuchung, Zeitzonen, Handlungsaufrufe.
Beides tritt unabhängig voneinander auf. Ein Landwirt, der zum ersten Mal ein Online-Angebot bucht, ist Nischen-Veteran (sein Fach beherrscht er) und zugleich Marketing-Zivilist (den Ablauf kennt er nicht). Für ihn muss der Ablauf simpel sein — die Fachsprache darf bleiben.
Der Selbst-Check vor jedem Launch: Käme jemand aus der Zielgruppe ohne Marketing-Erfahrung hier durch? Versteht er die Wortwahl, die Zeitangaben, den Ablauf?
Ein Zusatz: Bestimmte Hürden bleiben manchmal absichtlich stehen, um die falsche Zielgruppe zu filtern. Aber alles, was die richtigen Zivilisten ausschließt, muss raus.
Beispiel
Veteranen-Fassung: „Webinar-Anmeldung: Tragen Sie sich ein für unser Live-Stream-Event am Donnerstag, 8 p.m. CET (Double-Opt-In erforderlich). Danach erhalten Sie via Mail Ihren Kalender-Invite und die Zugangs-Credentials."
Probleme: „8 p.m." (viele rechnen nicht in AM/PM), „CET" (unbekannt), „Double-Opt-In" (Fachbegriff), „Kalender-Invite" und „Credentials" (unnötiges Englisch).
Zivilisten-Fassung: „Melden Sie sich an für unsere kostenlose Live-Schulung am Donnerstagabend um 20 Uhr. Sie bekommen eine E-Mail mit einem Bestätigungslink, danach eine zweite mit dem Termin für Ihren Kalender und dem Zugangslink."
Konkrete Anwendungen
- Handwerks-/Industrie-KMU (Pereta-ICP), typische Konstellation: Betriebsinhaber sind Nischen-Veteranen in ihrem Handwerk und Marketing-Zivilisten im Digitalen. Fachbegriffe aus der Webwelt sind damit tabu. Statt „DSGVO-konforme Cookie-Einwilligung" → „rechtssicher aufgesetzt, damit Sie keine Abmahnung bekommen."
- Die Test-Person: Vor jedem Launch eine echte Person aus der Zielgruppe durchklicken lassen — nicht das eigene Team. Das Team besteht aus Veteranen und übersieht dieselben Stellen wie man selbst.
- Bei schwacher Conversion: Der Zivilisten-Check ist fast immer der schnellste Fix — schneller als jedes Redesign.
Wann einsetzen?
- Vor jedem Launch einer Seite, eines Formulars oder einer Strecke.
- Beim Aufbau von Onboarding-Abläufen: Wo springen Zivilisten ab?
- Bei der Content-Planung: Trifft der Inhalt die richtige Ebene?
Häufige Fehler
- Die eigene Begeisterung projizieren. Der Veteran hält Zivilisten für „etwas weniger Veteranen". Falsch — es ist eine andere Ausgangslage.
- Nur intern testen. Wer im eigenen Team testet, testet mit Veteranen.
- Zu spät vereinfachen. Erst Launch, dann schlechte Zahlen, dann Vereinfachung. Die Vereinfachung gehört in den Entwurf, nicht in die Rettung.
- Pauschal annehmen, „das kennt doch jeder". Nein. Immer wieder nicht — und die Annahme kostet jedes Mal Conversion.
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