Kundennutzen-5-Schritte-Formel

Auch: Kundennutzen-5-Schritte-Formel, Kundennutzen-Formel, Merkmal-Vorteil-Nutzen

Fünf Schritte von der Merkmalsliste zur individuellen Nutzenargumentation — und damit die systematische Schließung der häufigsten Leerstelle in Angebotstexten.

Kategorie: Content / Nutzenargumentation Autor: Pereta

Kern-Logik

Der Grundsatz in einem Satz: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

Vor den fünf Schritten steht eine Unterscheidung von vier Ebenen — dort passieren die meisten Fehler:

Ebene Was es ist Beispiel
Produktmerkmal objektive Eigenschaft „Dauert einen Tag"
Produktvorteil was daraus folgt „Viel Zeit für Übungen"
Produktnutzen welches Bedürfnis erfüllt wird „Spürbare Fortschritte"
Kundennutzen was dieser Kunde davon hat „Nächste Woche im Termin einen besseren Preis erzielen"

Die meisten hören auf Ebene 2 auf — und wundern sich, warum das Angebot nicht zündet.

Die fünf Schritte

  1. Merkmale auflisten. Alle Merkmale des Produkts und des Unternehmens. Zugehörigkeit zum Markt seit Jahrzehnten, Zertifizierungen, Notdienst — das wird regelmäßig vergessen.
  2. Merkmale in Vorteile übersetzen. Ein Merkmal erzeugt oft mehrere Vorteile. Alle notieren, nicht nur den naheliegendsten.
  3. Vorteile auf Bedürfnisse abbilden. Vierzehn Grundbedürfnisse decken fast alles ab: Sicherheit, Anerkennung, Bequemlichkeit, Geld sparen, Gewinn, Gesundheit, Zeit sparen, Qualität, Neugier, Zugehörigkeit, Wachstum, Freiheit, Ärgervermeidung, Einfachheit.
  4. Das Bedürfnis des konkreten Kunden ermitteln. Bei Einzelpersonen im Gespräch, bei Zielgruppen über Befragung. Nebensignale: Wortwahl, Ausstattung, worauf er zuerst zu sprechen kommt.
  5. Den Kundennutzen formulieren. Individuell („Sie sagten, Sie fahren 60.000 km im Jahr und Sicherheit ist Ihnen wichtig …") oder zielgruppenbezogen („Die gute Nachricht für Vielfahrer: …").

Beispiel

Ein Website-Paket, zunächst klassisch merkmalslastig:

„Installation + Theme + SEO-Grundlagen + 5 Unterseiten + responsives Design"

Dasselbe, am Merkmal „responsives Design" durch die fünf Schritte geführt:

  1. Merkmal: responsives Design
  2. Vorteil: auf jedem Gerät gut bedienbar
  3. Produktnutzen: auch mobil erreichbar sein (Bedürfnis: Ärgervermeidung)
  4. Kundenbedürfnis im Handwerk: keinen Auftrag verlieren, weil jemand unterwegs sucht
  5. Kundennutzen im Text: „Wenn jemand unterwegs einen Heizungsnotdienst sucht und Ihr Wettbewerber keine mobile Seite hat, bekommen Sie den Anruf."

Der Unterschied ist praktisch, nicht stilistisch: Die Merkmalsliste beschreibt Technik, die Nutzenversion beschreibt Geschäftsergebnisse. Entschieden wird auf der zweiten Ebene.

Konkrete Anwendungen

Als Routine: Bestehende Texte regelmäßig gegen die typischen Fehler prüfen. Der Durchgang dauert pro Text zehn bis dreißig Minuten, und die Wirkung auf die Anfragequalität ist regelmäßig erheblich.

Häufige Fehler

  1. Ich-Form statt Sie-Form. „Wir bieten Ihnen …" ist kundenfern. Besser: „Sie bekommen …".
  2. Floskeln statt Belege. „Bei uns ist Ihr Geld in sicheren Händen" wird überlesen. Zahlen, Fälle, Nachweise wirken.
  3. Suggestivfragen. „Sie finden doch auch, dass …?" wird sofort durchschaut und erzeugt Widerstand.
  4. Auf Ebene 3 stehen bleiben. Der allgemeine Produktnutzen ist nett. Verkauft wird auf Ebene 4.
  5. Der Köder schmeckt dem Angler. Man verkauft, was einem selbst gefällt. Erkennbar daran, dass zwei Verkäufer mit identischer Zielgruppe völlig unterschiedliche Leistungen absetzen.

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