Opportunitätskosten-Strategie
Auch: Opportunitätskosten-Strategie, Entgangener Gewinn, Dringlichkeit in Euro
Die schnelle Variante der Preisrechtfertigung: den entgangenen Gewinn ausrechnen, statt mit Rabatten oder künstlicher Dringlichkeit zu arbeiten. Einfache Mathematik erzeugt eine Dringlichkeit, die in Euro messbar ist.
Kategorie: Preispsychologie & Pricing Autor: Pereta
Kern-Logik
Während die Fünf-Fragen-Methode den Kunden durch einen Dialog selbst zur Zahl führt, arbeitet diese Strategie mit einer kompakten Rechnung, die der Anbieter vorlegt. Die Formel ist banal:
Entgangener Gewinn = verpasste Anfragen × Auftragswert × Zeitraum
Das Ergebnis verschiebt die Aufmerksamkeit vom Preis des Angebots auf den Preis des Nichtstuns.
Psychologisch wirkt das über die Verlustaversion. Der Gedanke, 36.000 € Umsatz zu verlieren, wiegt schwerer als der Gedanke, 8.000 € zu investieren. Menschen bewerten Verluste nachweislich etwa doppelt bis zweieinhalbfach stärker als gleich große Gewinne. Die Rechnung macht den Verlust sichtbar — und damit spürbar.
Der Satzbau ist immer gleich: konservative Schätzung der verpassten Einheiten, realistischer Wert pro Einheit, überschaubarer Zeitraum, Summe.
„Sie sagen, Ihre Website bringt keine Anfragen. Konservativ gerechnet: drei verpasste Anfragen im Monat, 2.000 € durchschnittlicher Auftragswert — das sind 6.000 € pro Monat. In einem halben Jahr 36.000 €. Das Projekt kostet 8.000 €."
Der Unterschied zur Fünf-Fragen-Methode: Diese Rechnung ist schneller einsetzbar — ein Satz statt eines Dialogs —, funktioniert aber nur, wenn man plausible Zahlen der Branche kennt. Die Fünf-Fragen-Methode ist gründlicher, weil der Kunde die Zahlen selbst nennt und sich damit innerlich bindet.
Konkrete Anwendungen
Der Standardeinsatz im Handwerks-KMU — eine Rechnung, die jeder Betriebsinhaber im Kopf nachvollziehen kann:
Drei verpasste Anfragen im Monat × 2.000 € Auftragswert × 12 Monate = 72.000 € entgangener Jahresumsatz. Das Projekt kostet 7.500 €.
Die Wirkung entsteht nicht durch die Größe der Zahl, sondern durch ihre Nachvollziehbarkeit. Wer 20 verpasste Anfragen behauptet, verliert Glaubwürdigkeit. Wer drei ansetzt, gewinnt sie.
Drei sinnvolle Platzierungen:
- Im Gespräch, wenn der Preis auf dem Tisch liegt
- Im schriftlichen Angebot als eigener Kasten: „Was kostet das Nichtstun?"
- Im Nachfassen, wenn die Entscheidung sich zieht
Wann einsetzen?
- Als schnelle Preisentlastung, wenn für einen ausführlichen Dialog die Zeit fehlt
- Bei zögernden Interessenten — die Rechnung liefert den Anlass zu handeln, ohne künstliche Fristen
- Nicht dort, wo die Zahlen nicht belastbar sind. Eine Rechnung, die im Detail auseinanderfällt, kostet mehr Vertrauen, als sie an Dringlichkeit bringt
Häufige Fehler
- Unrealistische Zahlen. Ambitionierte Annahmen wirken unglaubwürdig. Konservative Zahlen überzeugen zuverlässig besser.
- Nur einmal einsetzen. Die Rechnung wirkt über Wiederholung — im Gespräch, im Angebot, im Nachfassen. Einmal beiläufig erwähnt verpufft sie.
- Nur mit Verlust argumentieren. Reines Verlust-Framing erzeugt Druck statt Zugkraft. In Kombination mit dem positiven Nutzen — „und gewinnen dadurch …" — wirkt es deutlich stärker.
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