LTV/CAC-Ratio

Auch: LTV/CAC, CLV/CAC, LTV-CAC-Ratio, Unit Economics Ratio

Das zentrale Verhältnis der Betriebswirtschaft eines wachsenden Geschäfts: Wie oft zahlt ein Kunde über seine Lebensdauer seine eigenen Akquisekosten zurück? Drei zu eins gilt als gesund — darunter verbrennt das Geschäft Geld.

Kategorie: Kennzahlen & Unit Economics (moderner Klassiker) Autor: Pereta

Kern-Logik

Die Kennzahl verdichtet die zwei wichtigsten Größen eines wachsenden Geschäfts zu einer einzigen Zahl:

Verhältnis = Kundenlebenswert ÷ Kundenakquisekosten

Die etablierten Richtwerte:

Verhältnis Bedeutung
unter 1:1 Jeder Neukunde kostet mehr, als er einbringt
1:1 bis 3:1 Noch nicht tragfähig für Skalierung
3:1 Gesund — der Bereich für nachhaltiges Wachstum
über 3:1 Meist ein Zeichen für zu wenig Marketinginvestition
über 5:1 Verpasste Chancen — hier wird Wachstum liegen gelassen

Die Drei-zu-eins-Regel kommt aus einer einfachen Überschlagsrechnung: Nach Rohertrag und laufender Betreuung bleibt vom Umsatz grob ein Drittel als freier Mittelzufluss. Bei 3:1 wird also genau die Akquiseinvestition zurückverdient — plus Marge.

Wichtig ist, was die Kennzahl NICHT sagt: Sie ist eine Momentaufnahme und sagt nichts über den Zeitpunkt der Rückzahlung. Ein Geschäft kann bei 5:1 stehen und trotzdem 36 Monate brauchen, bis ein Kunde seine Akquisekosten eingespielt hat — für ein Unternehmen mit knapper Liquidität ist das existenzgefährdend. Deshalb gehört immer die Rückzahlungsdauer daneben — idealerweise unter zwölf Monaten.

Drei Wege zu einem gesunden Verhältnis

Ansatz Wirkung Methode
Lebenswert erhöhen Zähler nach oben Bindung, Zusatzverkauf, Preiserhöhung
Akquisekosten senken Nenner nach unten Bessere Abschlussquote, effizientere Kanäle, Empfehlungen
Beides zusammen stärkster Hebel Auf Kundenprofile fokussieren, die günstig zu gewinnen sind und lange bleiben

Konkrete Anwendungen

Ein Rechenbeispiel aus dem Dienstleistungsgeschäft: Ein Kunde bringt über die Zusammenarbeit 12.000 €, seine Gewinnung kostet 1.000 €. Verhältnis: 12:1.

Der Reflex lautet: hervorragend, wir arbeiten effizient. Tatsächlich ist das eine rote Flagge. Bei 12:1 wird viel zu wenig für Wachstum ausgegeben. Es ließen sich 3.000 bis 4.000 € pro Kunde investieren — durch Werbung, Vertriebsunterstützung oder aufwendigere Akquise — und man läge immer noch im gesunden Bereich, gewönne aber ein Vielfaches an Kunden.

Die Alternative ist genauso legitim: Das Verhältnis bewusst hoch halten, den Gewinn maximieren und auf Wachstum verzichten. Nur sollte das eine Entscheidung sein — und nicht das Ergebnis davon, die Zahl nie berechnet zu haben.

Im Handwerks-KMU ist die Kennzahl selten bekannt, aber genauso gültig: Der Betrieb, der pro gewonnenem Wartungsvertrag 100 € Werbekosten hat und daraus über sechs Jahre 4.000 € Umsatz zieht, könnte deutlich mehr in Sichtbarkeit investieren — tut es aber nicht, weil die Werbekosten als Ausgabe verbucht werden und nicht als Investition.

Wann einsetzen?

Häufige Fehler

  1. Ein hohes Verhältnis als Erfolg feiern. Über 5:1 heißt fast immer: zu vorsichtig investiert.
  2. Mit Umsatz statt Deckungsbeitrag rechnen. Nur der Deckungsbeitrag steht zur Rückzahlung zur Verfügung.
  3. Die Liquidität vergessen. Ein gutes Verhältnis nützt nichts, wenn das Geld erst in drei Jahren zurückfließt und vorher die Löhne fällig sind.

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