Players with Money

Auch: Players with Money, Zielgruppe mit Kaufkraft, Nackter-Mann-Prinzip

Das erste Auswahlkriterium für jede Nische: Arbeite nur für Zielgruppen, die Geld haben und bereit sind, für eine Lösung zu zahlen. Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen.

Kategorie: Akquise / Zielgruppenwahl Autor: Pereta

Kern-Logik

Das Muster ist immer dasselbe und kostet regelmäßig Jahre: Jemand startet einen Blog über kreatives Schreiben. Der Zuspruch kommt, der Umsatz nicht — weil Menschen, die sich für kreatives Schreiben interessieren, das als Hobby tun. Derselbe Mensch schwenkt auf Schreiben als Beruf um: dieselbe Freude an der Sache, dieselbe Fähigkeit, aber eine zahlende Zielgruppe. Der Umsatz ändert sich um ein Vielfaches.

Die Lehre daraus: Man muss nicht die Branche wechseln, sondern nur den Zielgruppen-Winkel verschieben, bis man auf ein Problem zahlungsfähiger Menschen trifft. Die Kernfähigkeit bleibt, die Erlösseite ändert sich um den Faktor zehn bis fünfzig.

Wer für Zielgruppen ohne Kaufkraft arbeitet, macht Kunst, keinen Umsatz. Das ist völlig legitim — nur sollte man sich dann nicht über die Zahlen wundern.

Die drei Zielgruppen-Typen

  1. Keine Kaufkraft. Hobbyisten, Studierende, knappe Budgets. Interesse ja, Zahlung nein. Sackgasse.
  2. Kaufkraft, aber kein Leidensdruck. Sie könnten zahlen, empfinden das Problem aber nicht als Problem. Ebenfalls Sackgasse.
  3. Kaufkraft plus aktiver Leidensdruck. Nur diese Kombination ergibt eine tragfähige Zielgruppe.

Die vier Filterfragen

  1. Hat die Zielgruppe Geld? Nicht theoretisch — tatsächlich verfügbares Budget für genau diese Lösung.
  2. Ist das Problem schmerzhaft genug? Vieles ist nett zu lösen. Gekauft wird nur, was im Alltag wehtut.
  3. Zahlen vergleichbare Zielgruppen bereits für vergleichbare Lösungen? Wenn nein, ist der Markt unbewiesen — und man ist Pionier, nicht Anbieter.
  4. Welche Größenordnung? 15 € im Monat oder 500 € aufwärts? Diese eine Zahl bestimmt das gesamte Geschäftsmodell — Vertriebsweg, Aufwand, Marketingbudget.

Hobby gegen Geschäft

Die kürzeste Formel: Hobby-Zielgruppen zahlen für Unterhaltung, Geschäfts-Zielgruppen zahlen für Problemlösung.

Unterhaltung hat niedrige Marktpreise — der Vergleichsmaßstab sind Streamingdienste für ein paar Euro im Monat. Problemlösung hat hohe: Werkzeuge, Weiterbildung, Beratung.

Ein wichtiger Vorbehalt: Die Regel verführt zum Opportunismus. Das Thema muss einen trotzdem interessieren, sonst hält man es nicht durch. Und manche hochprofitable Nische ist aus anderen Gründen keine gute Idee — der Filter ist ökonomisch, nicht ethisch. Beide Fragen gehören getrennt beantwortet.

Konkrete Anwendungen

Betriebsinhaber mit Digitalisierungsbedarf sind Players with Money — sie haben Umsatz, ein spürbares Problem und eine Entscheidungsbefugnis in einer Person.

Technikaffine Selbermacher sind es ausdrücklich nicht. Sie haben oft Geld, aber die Grundhaltung „das mache ich selbst". Jede Stunde Akquise dort ist verloren — nicht wegen fehlender Kaufkraft, sondern wegen fehlenden Leidensdrucks.

Der Lackmustest für jeden Text: Wenn ein Betriebsinhaber ihn liest und nicht binnen 30 Sekunden versteht „das löst mein Problem X und kostet ungefähr Y" — dann verfehlt der Text die Zielgruppe. Nicht der Leser ist zu ungeduldig, der Text ist zu unklar.

Wann einsetzen?

Häufige Fehler

  1. Interesse mit Kaufkraft verwechseln. Hohe Besucherzahlen sagen nichts über Umsatz. Viele Hobbynischen haben Millionen Leser und praktisch keine Käufer.
  2. Den Preis senken, um Nichtzahler zu überreden. Die falsche Zielgruppe kauft auch zum halben Preis nicht — sie konsumiert kostenlos, solange es geht.
  3. Ökonomie und Ethik vermischen. Der Filter sagt, ob eine Zielgruppe zahlungsfähig ist, nicht ob man sie bedienen sollte.

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