Free+Shipping-Funnel
Auch: Free+Shipping, Free-Plus-Shipping-Funnel, Versandkosten-Angebot
Einordnung: Dieses Kapitel beschreibt ein quellengebundenes Modell oder eine Praxisheuristik. Es verspricht kein bestimmtes Ergebnis; die folgenden Aussagen geben das Modell wieder.
Kern-Logik
Das Modell beschreibt ein körperliches Einstiegsprodukt ohne gesonderten Produktpreis, für dessen Versand Kosten berechnet werden. Es soll einen ersten Nutzungskontakt ermöglichen und zu einem passenden Anschlussangebot führen. Die Zahlung ist weder eine Zusage zur Beratung noch ein Beleg für Bedarf am Hauptangebot.
Der Ablauf verbindet Angebotsseite, transparente Bestellung, Bestätigung, Lieferung und einen freiwilligen nächsten Schritt. Anders als bei einem digitalen Anmelde-Geschenk entstehen Herstellung, Versand und Abwicklung; diese Aufwände gehören in die Wirtschaftlichkeitsprüfung.
Im Quellenmodell gelten folgende Punkte:
- Danke-Seite mit Termin-CTA bedeutet eine Handlungsaufforderung zur Terminvereinbarung. Zunächst bestätigt die Seite die Bestellung; anschließend erklärt sie Anlass und Inhalt eines optionalen Gesprächs.
Wann einsetzen?
Im Quellenmodell gelten folgende Punkte:
- Als Vorstufe vor hochpreisigen Dienstleistungen.
- Nur bei einem nützlichen, lieferbaren Einstiegsprodukt, erkennbarem Bezug zur Hauptleistung und nachvollziehbarer Kostenrechnung.
Ungeeignet ist das Modell, wenn der Versand keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber einer digitalen Bereitstellung schafft oder die Bestellungen überwiegend Menschen ohne passenden Anschlussbedarf anziehen. Ein späterer Verkauf darf nicht vorausgesetzt werden, um eine unbegrenzt verlustreiche Einstiegsstufe zu rechtfertigen.
Beispiel
Ein regionaler Gestaltungsbetrieb verschickt ein gedrucktes Materialmuster gegen klar ausgewiesene Versandkosten. Das Muster hilft bei einer konkreten Auswahl. Auf der Bestätigungsseite wird ein freiwilliges Planungsgespräch erläutert; eine Buchung ist keine Voraussetzung für die Lieferung.
Grenzen der Gratiswerbung
Bei Verbraucherangeboten erlauben die Regeln zur Gratiswerbung in Deutschland und Österreich keine beliebige Verlagerung des Produktpreises in Versandpauschalen. Ausgenommen sind nur die jeweils unvermeidbaren Kosten im normierten Umfang: Anhang zu § 3 Abs. 3 UWG, Nr. 20 (Deutschland) und Anhang zum UWG, Z 20 (Österreich).
In der Schweiz untersagt Art. 3 Abs. 1 lit. b UWG unrichtige oder irreführende Angaben auch über Preise. Die Bezeichnung des Modells ist deshalb keine Freigabe für eine konkrete Preiswerbung.
Häufige Fehler
Im Quellenmodell gelten folgende Punkte:
-
Danke-Seite als Sackgasse. Gegenmittel: Einen passenden freiwilligen Anschluss erklären, ohne die Bestellbestätigung zu verdrängen.
-
Nur Versandumsatz betrachten. Gegenmittel: Herstellung, Abwicklung, Werbung und tatsächlich erzielte Anschlussbeiträge zusammen prüfen.
-
Das Einstiegsprodukt als Vorwand für Verkaufsdruck nutzen. Gegenmittel: Eigenständigen Nutzen liefern und Zusatzangebote klar trennen.
Verwandte Einträge
Im Quellenmodell gelten folgende Punkte: