Verlangen kanalisieren

Auch: Verlangen kanalisieren, Demand Channeling, Bedarf umleiten

Kundenverlangen existiert bereits als Strom. Die Aufgabe ist nicht, ihn zu erzeugen, sondern ihn zum eigenen Angebot umzuleiten.

Kategorie: Content Autor: Pereta

Kern-Logik

Der Gedanke stammt aus dem Copywriting-Klassiker von 1966 und korrigiert eine der am häufigsten missverstandenen Grundannahmen des Marketings. Die meisten glauben, sie müssten „Bedarf wecken". Der Bedarf ist aber immer schon da. Was gute Werbung tatsächlich leistet, ist Kanalisierung: Sie lenkt einen bereits fließenden Strom in eine bestimmte Richtung.

Das verändert die Leitfrage jedes Vorhabens. Nicht mehr „Wie erzeuge ich Bedarf für meine Leistung?", sondern: „Welches bestehende Verlangen meiner Zielgruppe kann ich zu meinem Angebot umleiten?"

Der Unterschied ist operativ gewaltig. Wer Bedarf wecken will, muss erklären, belehren und überzeugen. Wer Verlangen kanalisiert, muss nur zeigen: Das, was du ohnehin willst, bekommst du hier.

Psychologisch ist das gut belegt: Echte Kaufbereitschaft entsteht nicht durch Werbung, sondern durch Lebensumstände, Frust, Wünsche und soziale Normen. Werbung ist immer nur der letzte Auslöser auf eine bereits vorhandene Kraft. Wer gegen einen nicht vorhandenen Strom arbeitet, verbrennt Budget. Wer den stärksten Strom findet und richtig adressiert, hat leichtes Spiel.

Daraus folgt auch das Argument für lex-players-with-money: Strömendes Verlangen plus Kaufkraft ist der Fischgrund, auf den man segelt. Verlangen ohne Budget ist Poesie, Budget ohne Verlangen ist Verschwendung.

Beispiel

Einem Betriebsinhaber muss niemand erklären, warum eine gute Website wichtig ist. Er weiß es. Er will mehr Anfragen, will professionell wirken, will nicht hinter dem Wettbewerb zurückbleiben — das Verlangen strömt bereits. Die Aufgabe ist nicht, den Wunsch zu erzeugen, sondern zu zeigen, dass genau dieses Angebot ihn erfüllt.

Falsch (Bedarfsweckung): „Wussten Sie, dass die meisten Kunden zuerst im Internet suchen? Ihre Website ist heute wichtiger denn je …" → Belehrung. Er weiß das längst, und er merkt, dass man ihn für ahnungslos hält.

Richtig (Kanalisierung): „Sie wollen Anfragen von Kunden, die auch zahlen. Hier sind drei Betriebe, bei denen genau das nach dem Relaunch passiert ist." → Der Strom wird direkt umgeleitet.

Der Gegentest: Muss die Zielgruppe erst belehrt werden, bevor sie kauft, ist sie entweder zu früh im Funnel (siehe lex-fuenf-bewusstseinsstufen) oder schlicht die falsche Zielgruppe. In beiden Fällen ist Bedarfsweckung der falsche Hebel.

Konkrete Anwendungen

Wann einsetzen?

Häufige Fehler

  1. Kampagnen mit Lehrauftrag. Werbung, die erst erklären muss, dass ein Problem existiert, bevor sie ein Angebot macht. Teuer und wirkungsarm.
  2. Zu früh im Funnel einsteigen und Premium-Preise verlangen. Wer sein Problem noch nicht kennt, kauft nichts Teures.
  3. Das eigene Verlangen projizieren. Anbieter, die ihr Produkt lieben und nicht verstehen, warum es niemand will — weil der Strom bei der Zielgruppe schlicht nicht fließt.

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