Net Promoter Score (NPS)
Auch: Net Promoter Score, NPS, Weiterempfehlungsindex
Die Ein-Frage-Kennzahl für Kundenloyalität: „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie uns weiterempfehlen?" Das Ergebnis liegt zwischen −100 und +100 und korreliert mit dem Unternehmenswachstum.
Kategorie: Kennzahlen & Kundenzufriedenheit (Klassiker) Autor: Pereta
Kern-Logik
Der Ursprung liegt in einer Untersuchung aus dem Jahr 2003, die über Jahre den Zusammenhang zwischen Zufriedenheitsfragen und Unternehmenswachstum prüfte. Das Ergebnis: Eine einzige Frage sagte das Wachstum zuverlässiger voraus als alle anderen zusammen.
„Wie wahrscheinlich ist es auf einer Skala von 0 bis 10, dass Sie uns einem Freund oder Kollegen weiterempfehlen?"
Die Antworten werden in drei Gruppen geteilt:
| Gruppe | Skala | Bedeutung |
|---|---|---|
| Befürworter | 9–10 | Loyal, empfehlen aktiv weiter |
| Passive | 7–8 | Zufrieden, aber nicht begeistert — wechseln leicht |
| Kritiker | 0–6 | Enttäuscht, verbreiten negative Mundpropaganda |
Die Berechnung: Anteil Befürworter minus Anteil Kritiker. Die Passiven werden ignoriert. Ergebnis zwischen −100 und +100.
Richtwerte, je nach Branche unterschiedlich:
| Bereich | Durchschnitt | Spitze |
|---|---|---|
| B2B-Dienstleistung | 20–40 | über 60 |
| Software | 30–50 | über 70 |
| Einzelhandel | 30–50 | über 60 |
| Banken und Versicherungen | 0–20 | über 40 |
Der ökonomische Befund: Unternehmen in der oberen Hälfte ihrer Branche wachsen deutlich schneller als ihre Wettbewerber. Der Mechanismus ist einfach — Befürworter bleiben länger, kaufen mehr und empfehlen weiter. Sie senken die Akquisekosten und heben den Kundenwert gleichzeitig.
Die berechtigte Kritik: Als einzelne Zahl ist der Wert zu grob für eine Ursachenanalyse. Deshalb gehört immer eine zweite Frage dazu: „Was ist der Hauptgrund für Ihre Bewertung?" Erst diese Antwort liefert etwas, mit dem man arbeiten kann.
Die Messpraxis
- Nach einzelnen Vorgängen — nach Kauf, Anfrage oder Projektabschluss.
- In festen Abständen — quartalsweise oder halbjährlich über den Bestand.
- Kritiker sofort anrufen. Rückgewinnung kostet wenig. Ein unbearbeiteter Kritiker kostet über Jahre.
Konkrete Anwendungen
Der sinnvolle Rhythmus für ein Projektgeschäft: vier bis sechs Wochen nach Projektabschluss messen, danach jährlich. Für Dienstleister sind 40 bis 50 solide, alles über 60 ist stark.
Drei Pflichthandlungen nach jeder Erhebung:
- Jeden Kritiker binnen 48 Stunden persönlich anrufen. Ursache verstehen, Lösung anbieten. Das ist kein Beschwerdemanagement, sondern die billigste Marktforschung, die es gibt.
- Jeden Befürworter fragen, ob er eine Kundenstimme oder eine Referenz beisteuert. Kostenlose Belege von Menschen, die ohnehin überzeugt sind.
- Muster in den Kritiker-Antworten suchen. Wenn drei Kunden dasselbe bemängeln, ist es kein Einzelfall, sondern ein Prozessfehler — und der lässt sich abstellen.
Im Handwerks-KMU ist die Frage besonders wirksam, weil dort ohnehin fast alles über Empfehlung läuft. Die Kennzahl misst damit direkt den wichtigsten Vertriebskanal des Betriebs — und macht sichtbar, ob er wächst oder austrocknet.
Wann einsetzen?
- Nach Projektabschlüssen — solange die Erfahrung frisch ist
- Bei stagnierenden Empfehlungen — die Zahl zeigt, ob es an der Leistung oder an der fehlenden Frage liegt
- Vor Preiserhöhungen — ein hoher Wert ist die belastbarste Grundlage dafür
Häufige Fehler
- Nur die Zahl erheben. Ohne die Warum-Frage entsteht ein Wert ohne Handlungsanweisung.
- Kritiker ignorieren. Genau dort liegt die Information, für die andere Unternehmen Beratungshonorare zahlen.
- Befürworter nicht nutzen. Wer nie um eine Kundenstimme bittet, lässt den größten Vertrauensvorschuss ungenutzt liegen.
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