M&M-Taktik gegen Schreibblockaden

Auch: M&M-Taktik, Ein-Satz-Trick, Schreibblockade-Hack

Die Aufgabe auf einen einzigen Satz schrumpfen. Das Gehirn akzeptiert den winzigen Preis — der Rest kommt von selbst.

Kategorie: Content / Schreibpraxis Autor: Pereta

Kern-Logik

Schreibblockaden entstehen fast nie aus Ideenmangel, sondern aus der Größe der Aufgabe. Wer vor einem leeren Dokument sitzt und denkt „Ich schreibe jetzt einen Artikel", löst automatische Abwehr aus: Die Aufgabe wirkt zu groß, die Hemmschwelle liegt höher als die zu überwindende Trägheit. Das Gehirn verweigert den Start.

Der Name kommt vom bekannten Effekt bei kleinen Süßigkeiten: Man denkt „nur eine — das ist ja nichts". Man isst eine. Dann die zweite. Dann ist die Packung leer. Die Verpflichtung zum ersten Bissen ist so klein, dass kein Widerstand entsteht. Alles Weitere folgt von allein.

Übertragen aufs Schreiben: Vor dem leeren Dokument sagt man sich ausdrücklich — laut, schriftlich oder bewusst gedacht:

„Ich schreibe heute genau einen Satz. Keinen Artikel, kein Kapitel. Einen Satz."

Das Gehirn akzeptiert diesen Preis und beginnt. Und sobald der erste Satz steht, entsteht Bewegung: Der zweite Satz kommt fast von selbst, nach fünf Minuten steht ein Absatz, nach einer Stunde eine halbe Seite.

Das Prinzip dahinter heißt kleinstmögliche Selbstverpflichtung: Die Hemmschwelle muss niedriger sein als die Trägheit, die sie überwinden soll. Einen Artikel zu schreiben trägt das Gehirn nicht. Einen Satz zu schreiben schon.

Beispiel

Ein Fachbeitrag soll entstehen. Statt „jetzt 1.500 Wörter zum Thema Website für Handwerksbetriebe" lautet der Gedanke: „Ich schreibe einen Satz — nur den Einstieg. Danach darf ich aufhören."

Nach diesem einen Satz ist der zweite fast geschrieben. Nach fünf Minuten steht der Einstiegsabsatz, nach zwanzig die Gliederung, nach einer Stunde der Rohtext. Mit „1.500 Wörter" im Kopf wäre der Text nie begonnen worden.

Variante bei Blockaden mitten im Text: Statt „wie geht es weiter?" fragt man „was passiert hier in genau einem Satz?" Dieselbe Verkleinerung, mitten in der Arbeit.

Konkrete Anwendungen

Häufige Fehler

  1. Die Formel nur halbherzig meinen. „Nur ein Satz" wirkt ausschließlich, wenn das Gehirn es tatsächlich glaubt. Als Trick durchschaut, verpufft es.
  2. Nach dem ersten Satz aufhören, obwohl es läuft. Der eine Satz ist der Köder, nicht die Grenze. Weitermachen ist ausdrücklich erlaubt.
  3. Statt einem Satz gleich „nur die Einleitung" nehmen. Zu groß. Eine Einleitung ist bereits ein Absatz — und damit wieder eine Aufgabe, vor der man sich drücken kann.

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