Dokumentieren statt Erstellen
Auch: Document don't create, Dokumentieren statt Erstellen, Content dokumentieren
Einordnung: Dieses Kapitel beschreibt ein quellengebundenes Modell oder eine Praxisheuristik. Es verspricht kein bestimmtes Ergebnis; die folgenden Aussagen geben das Modell wieder.
Kern-Logik
Im Quellenmodell gelten folgende Punkte:
- Content erstellen bedeutet hier, ein Thema gezielt zu entwickeln und dafür Material zusammenzutragen.
- Content dokumentieren beginnt bei vorhandenem Arbeitsmaterial; Auswahl, Erklärung und redaktionelle Prüfung bleiben erforderlich.
Im Quellenmodell gelten folgende Punkte:
- Eigene Prozesse: eigene Checklisten, Vorlagen und Arbeitsabläufe als Material nutzen.
- Wiederkehrende Fragen: gesammelte Kundenfragen zu FAQ und Content weiterentwickeln.
- Zahlen und Daten: eigene Auswertungen als ergänzendes Bonus-Material aufbereiten.
Dokumentieren meint, Material aus der ohnehin stattfindenden Arbeit in eine nutzbare Form zu überführen. Kundenprojekte können anonymisiert als Fall oder Ablauf festgehalten werden. Coaching-Notizen lassen sich auf wiederkehrende Muster prüfen; wiederkehrende Fragen können zu einer FAQ oder einem Beitrag werden. Auch bestehende Checklisten, Vorlagen und Arbeitsabläufe sind Ausgangsmaterial, wenn sie verständlich eingeordnet werden.
Die Arbeitsfolge lautet: relevantes Material auswählen, die zugrunde liegende Kundenfrage bestimmen, den nötigen Kontext ergänzen und eine eigenständig verständliche Antwort formulieren. Ein Arbeitsprotokoll wird erst dann zum hilfreichen Inhalt, wenn Außenstehende Ausgangslage, Vorgehen und Grenzen verstehen. Dokumentieren ist deshalb eine Form der Inhaltserstellung, kein Verzicht darauf.
Beobachtung und Deutung bleiben getrennt. Ein einzelnes Projekt illustriert einen möglichen Ablauf; es belegt nicht, dass derselbe Ablauf unter anderen Bedingungen dieselben Ergebnisse erzielt. Eigene Auswertungen brauchen eine nachvollziehbare Datengrundlage und eine Erklärung ihrer Grenzen.
Beispiel: Aus einer wiederkehrenden Frage wird Inhalt
Eine Frage, die in Kundengesprächen wiederholt auftaucht, wird zuerst wortnah gesammelt. Danach wird sie mit der dazugehörigen Erklärung und einem klaren Ablauf als FAQ, Beitrag oder kurze Anleitung aufbereitet. Es entsteht kein Thema aus dem leeren Blatt; Ausgangspunkt ist ein wiederkehrender Teil der eigenen Arbeit. Vertrauliche Angaben bleiben dabei außerhalb des Materials oder werden anonymisiert.
Bei einem Sanitärbetrieb wird beispielsweise regelmäßig gefragt, welche Angaben für die Vorbereitung eines Besichtigungstermins nötig sind. Aus der internen Vorbereitungsliste entsteht eine verständliche Checkliste mit Erläuterungen. Namen, Adressen, Bilder und besondere Projektdetails werden nicht übernommen, wenn sie den konkreten Kunden erkennbar machen könnten.
Wann einsetzen?
Im Quellenmodell gelten folgende Punkte:
- Wenn Content-Produktion am leeren Blatt oder an fehlenden Themen scheitert.
- Nach Kundenprojekten, Gesprächen oder internen Abläufen, die wiederkehrende Fragen und Muster sichtbar machen.
- Für Checklisten, Vorlagen, häufige Fragen und anonymisierte Einblicke in Arbeitsprozesse.
Nicht passend ist das Vorgehen, wenn das vorhandene Material die Leserfrage nicht beantwortet oder nur durch sensible Einzelfalldetails verständlich würde. Dann braucht es zusätzliche Recherche oder ein ausdrücklich als Beispiel formuliertes Szenario. Eine veraltete Checkliste wird vor der Weiterverwendung fachlich geprüft.
Häufige Fehler
Im Quellenmodell gelten folgende Punkte:
- Perfektionismus in der Dokumentation. Zunächst Frage, Antwortkern und entscheidenden Kontext festhalten; Gestaltung erst nach der fachlichen Prüfung ergänzen.
- Vertraulichkeit ignorieren. Vor Veröffentlichung auf erkennbare Personen, Geschäftsdetails und vertrauliche Absprachen prüfen; ein entfernter Name allein genügt dafür nicht.
- Rohmaterial ungeprüft veröffentlichen: Interne Abkürzungen auflösen, Aussagen gegenprüfen und einen klaren Nutzungszweck nennen.
- Dokumentation mit Wiederverwertung verwechseln: Dokumentation gewinnt Material aus Arbeit; Wiederverwertung überträgt bereits ausgearbeitete Inhalte in andere Formate.
Verwandte Einträge
Im Quellenmodell gelten folgende Punkte: