Dokumentieren statt Erstellen
Auch: Document don't create, Dokumentieren statt Erstellen, Content dokumentieren
Hör auf, Content aus dem Nichts zu erschaffen. Dokumentiere, was du sowieso tust. Der Maler filmt, wie er streicht — das reicht.
Kategorie: Content Autor: Pereta
Kern-Logik
Content ist oft deshalb Prokrastination, weil er als „erschaffen" definiert wird: leeres Blatt, Idee finden, recherchieren, produzieren. Die Gegenfrage: Warum erschaffen, wenn du längst lebst, was andere sehen wollen?
Ein Handwerker streicht eine Wand, filmt es — und erreicht mehr Menschen als mit jedem geplanten Werbevideo. Wer seine eigenen Seminaraufnahmen hochlädt, produziert keinen zusätzlichen Aufwand und gewinnt trotzdem Reichweite. Wer die Betreffzeilen seiner Newsletter samt Öffnungsraten exportiert, hat in zehn Minuten ein Bonus-Material, für das andere einen Kurs bauen.
Die Unterscheidung ist operativ, nicht philosophisch:
- Content erstellen = leeres Blatt, Ideenjagd, Produktion. Energieintensiv, häufiger Prokrastinations-Auslöser.
- Content dokumentieren = Kamera an bei dem, was ohnehin passiert. Niedrige Hemmschwelle, hohe Authentizität, unbegrenzter Nachschub.
Fünf Quellen für dokumentierten Content:
- Kundenprojekte (anonymisiert): „Für einen Kunden haben wir gerade …"
- Beratungs-Notizen: Muster erkennen → „Die 5 häufigsten Probleme, die ich sehe"
- Eigene Prozesse: Checklisten, Templates, Workflows, die man selbst nutzt
- Wiederkehrende Fragen: Kunden-E-Mails sammeln → FAQ → Content
- Zahlen und Daten: eigene Auswertungen als Bonus-Material
Der strategische Zusatz (siehe lex-schneeball-content): Dokumentierter Content ist fast immer zeitlos, weil echte Arbeit sich nicht an Tagestrends orientiert. Er wirkt wie ein Schneeball — der einmalige Aufwand baut über Jahre Reichweite und Autorität auf.
Konkrete Anwendungen
- Handwerks-/Industrie-KMU (Pereta-ICP): Es wird ohnehin dokumentiert — es muss nur veröffentlicht werden. Vorher/Nachher-Screenshots von Websites → Social + Blog. „So haben wir die Ladezeit von 8 s auf 1,2 s gesenkt" → zeitloser Blogartikel. Häufige Kundenfragen („Brauche ich SEO?") → FAQ-Content. Design-Prozess als Zeitraffer vom Wireframe zum Endergebnis. Performance-Werte vorher/nachher als Vertrauens-Content.
- Die Gewohnheit: Screenshot bei jedem Relaunch, Kurztext bei jedem Aha-Moment. Jede Projektentscheidung ist in 15 Minuten dokumentiert — und ergibt mehr authentischen Content als eine Stunde vor dem leeren Blatt.
Wann einsetzen?
- Bei Content-Blockaden: statt „Was soll ich erstellen?" lieber „Was habe ich diese Woche getan, das dokumentierbar ist?"
- In der Redaktionsplanung: etwa 70 % dokumentierter, 30 % geplanter Content ist eine produktive Mischung.
- Immer, wenn Content-Produktion sich nach Zusatzarbeit anfühlt.
Häufige Fehler
- „Das ist zu banal für Content." Der Selbstzensur-Reflex — was für dich Alltag ist, ist für andere genau das Wissen, für das sie zahlen.
- Perfektionismus in der Dokumentation. Die Kamera einmal schief halten und den ganzen Clip verwerfen heißt: zurück im Erstellen-Modus.
- Vertraulichkeit ignorieren. Kundenprojekte müssen anonymisiert werden, sonst gibt es Ärger.
Verwandte Einträge
- lex-schneeball-content — dokumentierter Content ist per Definition zeitlos
- lex-ccc-tagesroutine — was in der Create-Phase passiert
- lex-mm-taktik — senkt ebenfalls die Einstiegshürde
- lex-magazin-uebung — liefert die Themen-Cluster für die Dokumentation