Next Shiny Thing — Fokus statt Springen

Auch: Next Shiny Thing, Fokus statt Sprungbrett, Shiny-Object-Syndrom, Durchziehen-Regel

Die Erfolgreichen wechseln nicht alle paar Monate das Geschäftsmodell — sie ziehen durch. Wer in jeder neuen Welle nur Durchschnitt erreicht, hat am Ende nirgends Bedeutung.

Kategorie: Mindset / Fokus Autor: Pereta

Kern-Logik

Das Bild dazu ist ein Kind in der Sonne: Es spielt mit einem Spielzeug, sieht etwas Glitzerndes, lässt das Alte liegen und krabbelt hinüber. Bei spielenden Kindern ist das großartig. In der Wirtschaft erzeugt es nichts.

Heute Verkaufstrainer, morgen Onlinehandel, dann Agentur für das nächste Plattform-Modell, dann Immobilien. Das Ergebnis ist in jeder Disziplin Durchschnitt. Regional vielleicht bekannt, aber nie mit echter Marktbedeutung.

Die Analogie, die es auf den Punkt bringt: Ein Zehnkämpfer verliert in jeder Einzeldisziplin gegen den jeweiligen Spezialisten. Zehn Dinge mittelmäßig zu können ist schlechter als eine Sache herausragend. Wer in der Jugend in drei Sportarten talentiert ist und alle drei weiterbetreibt, wird in keiner davon Weltklasse — die Weltklasse entsteht in dem Moment, in dem zwei davon aufgegeben werden.

Die eigentliche Disziplin liegt im Nein-Sagen zu guten Gelegenheiten. Es gibt regelmäßig Geschäftsmodelle, bei denen sich rechnen lässt: von null auf siebenstellig in einem Jahr, problemlos machbar. Und trotzdem ist Nein die richtige Antwort, wenn es vom Kerngeschäft ablenkt. Nein zu offensichtlich schlechten Angeboten kostet nichts. Nein zu guten ist die eigentliche Leistung.

Die Drei-Kriterien-Prüfung

Durchziehen lohnt sich, wenn alle drei erfüllt sind. Fehlt eines, ist ein Wechsel legitim. Sind alle drei erfüllt, wird nicht gewechselt:

  1. Es macht Freude. Ohne innere Motivation hält niemand zehn Jahre durch.
  2. Man ist gut darin und wird besser. Die Lernkurve muss offen sein — ein echtes Plateau ist ein Argument.
  3. Der Markt wächst oder hat Perspektive. In sterbenden Märkten ist Ausdauer keine Tugend.

Die Altersgrenze ist die einzige Ausnahme: Wer noch jung ist, darf und soll vieles ausprobieren. Wer seit Jahren im Berufsleben steht und noch immer keinen Schwerpunkt hat, hat kein Erkundungs-, sondern ein Fokusproblem.

Das Bild mit der Axt: Wer in jeden Baum zweimal hineinschlägt, ist abends erschöpft — und kein einziger Baum liegt. Wäre er beim ersten geblieben, lägen zwanzig. Beschäftigt ist nicht produktiv.

Für Mehrfachunternehmer kommt eine unbequeme Rechnung dazu: 20 Prozent der Beteiligungen bringen 80 Prozent des Ergebnisses. Der Rest ist meistens Ablenkung mit Visitenkarte.

Konkrete Anwendungen

Drei Selbstdiagnose-Fragen:

  1. Wie viele Projekte und Geschäftsfelder laufen tatsächlich parallel?
  2. In wie vielen davon gehört man zu den besten 20 Prozent der Branche?
  3. Erfüllen alle drei Kriterien — Freude, Stärke, wachsender Markt — bei jedem einzelnen?

Die Entscheidungsregel bei einer neuen Gelegenheit:

Nur wenn alle drei Antworten klar sind, lohnt der Wechsel. Sonst: durchziehen.

Wann einsetzen?

Häufige Fehler

  1. Wechseln, wenn es schwer wird. Die Plateauphase wird als „der Markt ist tot" fehlgedeutet. Meist ist es genau die Phase, in der sich Ausdauer von Mittelmaß trennt.
  2. Beteiligungen sammeln. Aktivität wird mit Produktivität verwechselt — und mit jedem neuen Feld sinkt die Tiefe im alten.
  3. Fokus mit Stillstand verwechseln. Durchziehen heißt nicht „nichts Neues", sondern „nichts Ablenkendes". Innerhalb des Schwerpunkts darf sich alles verändern.

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